Glühwein selber machen
Guter Glühwein ist keine Zauberei – er ist eine Frage von drei Dingen: dem richtigen Wein, ganzen Gewürzen und der Temperatur. Diese Anleitung führt dich Schritt für Schritt durch das Rezept, erklärt die häufigsten Fehler und zeigt, wann sich das Selbermachen lohnt – und wann der fertig gekelterte Glühwein aus Sachsen die entspanntere Wahl ist.
- Zeit
- ca. 35 Min.
- Temperatur
- 70–75 °C
- Menge
- 4 Portionen
- Gewürze
- ganz, nie gemahlen
Der richtige Wein
Der Wein macht 90 % des Ergebnisses. Gesucht ist ein trockener bis halbtrockener, säurearmer Rotwein mit moderatem Tannin und klarer Frucht. Bewährt haben sich Dornfelder, Spätburgunder, Regent und Merlot. Finger weg von schweren, im Barrique gereiften Weinen: Ihre Gerbstoffe treten beim Erwärmen hervor und machen den Glühwein bitter. Für weißen Glühwein passen Müller-Thurgau, Silvaner oder ein trockener Riesling.
Der Wein muss nicht teuer sein – aber trinkbar. Was pur nicht schmeckt, wird durch Zucker und Zimt nicht besser.
Schritt für Schritt
Das Grundrezept für 0,75 l
1. Wein temperieren
0,75 l Rotwein in einen weiten Topf geben und bei niedriger Hitze langsam erwärmen. Nicht der Versuchung nachgeben, den Herd hochzudrehen – schnelles Erhitzen kostet Aroma.
2. Gewürze zugeben
1 Zimtstange, 3–4 Gewürznelken, 1 Sternanis und die Schale einer unbehandelten Bio-Orange hinzufügen. Alles ganz, nichts gemahlen.
3. Süßen – sparsam
1–2 EL Rohrzucker, Honig oder Apfeldicksaft. Erst am Ende abschmecken: Beim Ziehen wird der Glühwein durch die Orange oft süßer, als man denkt.
4. Bei 70–75 °C ziehen lassen
20–30 Minuten ziehen lassen, Temperatur mit dem Thermometer kontrollieren. Der Glühwein darf dampfen, aber niemals Blasen werfen.
5. Abseihen & servieren
Gewürze durch ein Sieb entfernen und in vorgewärmte Becher füllen (kurz mit heißem Wasser ausspülen). Garnitur: Orangenscheibe und Zimtstange.
Die richtige Temperatur: 70–75 °C
Glühwein wird erwärmt, nicht gekocht. Bei 70–75 °C lösen sich die ätherischen Öle der Gewürze optimal, ohne dass Alkohol und Fruchtaromen entweichen. Ab etwa 78 °C beginnt der Alkohol zu verdampfen; wer den Topf einmal aufkochen lässt, bekommt einen flachen, leicht kratzigen Glühwein zurück, der sich nicht mehr reparieren lässt.
Praxistipp: Ein Küchenthermometer kostet wenige Euro und ersetzt jedes Bauchgefühl. Für größere Runden hält ein Glühweinkocher mit Thermostat die Temperatur über Stunden konstant – ideal für Bag-in-Box im Wasserbad. Alle Details zur Glühwein-Temperatur.
Gewürze
Zimt, Nelken & was sonst hineingehört
Verwende ausschließlich ganze Gewürze. Gemahlene Varianten lassen sich nicht abseihen, machen den Glühwein trüb und schmecken schnell bitter.
- Zimtstange
- Wärme und Süße, das Rückgrat jedes Glühweins. 1 Stange pro 0,75 l.
- Gewürznelken
- Intensiv und leicht scharf. 3–4 Stück reichen – mehr wird schnell medizinisch.
- Sternanis
- Lakritzig-süßliche Tiefe. 1 Stern pro Flasche genügt.
- Orangenschale
- Frische und Bitterstoffe im Gleichgewicht. Nur unbehandelte Bio-Orangen.
- Kardamom
- 2 angedrückte Kapseln bringen eine feine, blumige Note.
- Ingwer
- Zwei dünne Scheiben für eine leichte Schärfe – besonders bei weißem Glühwein.
Häufige Fragen
Bei welcher Temperatur wird Glühwein erwärmt?
Ideal sind 70–75 °C. Glühwein darf nie kochen: Ab etwa 78 °C verdampft der Alkohol, und die feinen Fruchtaromen leiden. Ein Küchenthermometer oder ein Glühweinkocher mit Thermostat hält die Temperatur zuverlässig.
Welcher Wein eignet sich zum Glühwein selber machen?
Ein trockener bis halbtrockener, säurearmer Rotwein mit moderatem Tannin – zum Beispiel Dornfelder, Spätburgunder, Merlot oder Regent. Schwere, stark im Holz gereifte Weine werden beim Erwärmen bitter. Für weißen Glühwein passen Müller-Thurgau oder Silvaner.
Welche Gewürze gehören in Glühwein?
Die Basis sind Zimtstange, Gewürznelken, Sternanis und Orangenschale. Ergänzend passen Kardamom, Vanille, Piment oder ein Stück frischer Ingwer. Immer ganze Gewürze verwenden – gemahlene machen den Glühwein trüb und bitter.
Wie lange muss Glühwein ziehen?
20–30 Minuten bei 70–75 °C reichen. Länger als eine Stunde sollten Nelken und Sternanis nicht mitziehen, sonst dominieren bittere Noten.
Wie viel Glühwein rechne ich pro Person?
Faustregel: 0,3–0,5 l pro Gast an einem Abend, 0,5–0,8 l bei einer Veranstaltung über mehrere Stunden. Für 20 Gäste also rund 10–15 Liter.
Oder: fertig gekeltert aus Sachsen.
Für zwei Personen lohnt sich der Topf. Für zwanzig Gäste, einen Vereinsabend oder den Stand auf dem Weihnachtsmarkt wird das Selbermachen schnell zur Logistikaufgabe. Unsere Glühweine sind bereits mit ganzen Gewürzen angesetzt – du musst sie nur noch auf 70–75 °C temperieren.
Verantwortungsvoller Genuss: Alkoholhaltige Getränke erst ab 18 Jahren. Für Kinder und Autofahrer:innen führen wir alkoholfreie Punsche.
